2015 zwischen Fantasie und Wirklichkeit. Die Kunst des Arthur Tress

Die neue Fassi Kalender trägt die Handschrift eines der bekanntesten Fotografen der Welt. Arthur Tress erzählt in diesem Interview über die Entstehung der einzigartigen Bilder für den Kalender.

Arthur Tress ist ein berühmter Fotograf der eine ganz eigene, einzigartige Bildersprache entwickelt hat. Er spielte mit den Kranen wie ein Kind mit seinem Lieblingsspielzeug. Nach dieser Annäherung transformierte er die Lkw-Krane in eine poetische, ja übersinnliche Umgebung. Dies bewog Fassi ihn zu bitten den Unternehmenskalender 2015 zu erstellen. Wie er im Interview erläutert, will sein Schaffen Realität mit Fantasie verbinden und damit eine besondere theatralische Umgebungen erzeugen. Nun liegt es im Auge des Betrachters in diesen Bildern eine Reise in die schönsten Momente seiner Kindheit zu unternehmen.


Der Kran als Arbeitsmittel erlebt dank der Wahl von Modellen eine erste Transformation. War es schwierig auf dem weiteren Weg Realität und Fantasie zusammen zu führen?
Ich hatte darum gebeten Kranmodelle zu benutzen, weil ich dachte, es wäre eine Chance sich spielerisch meinem Konzept zu nähern. Ich wollte sein wie ein Kind, das mit seinem Lkw spielt als wäre es real. Ich nutze keine Bildbearbeitung wie Photoshop, womit üblicherweise fast alle Bilder für Kalender ausgearbeitet werden. So habe ich per Hand meine Bildideen von der realen Welt nachgebaut.
Das ist althergebrachte table top Fotografie, Stillleben im Studio zu machen. Ich habe die Kranmodelle wie kleine Skulpturen betrachtet und war sehr umsichtig, aber auch spielerisch mit den Kompositionen. Alles floss hinein, eine ausschweifende barocke Art, die Farben und Linien mit ihrer Bedeutung und Ausdruckskraft.
Ich wollte, dass es sehr einfach wirkt. Ich persönlich kenne keinen besseren Weg Dingen einen gewissen naiven Charme zu geben, ganz im Gegenteil zu der sonst üblichen Hochglanzproduktion in der Unternehmensfotografie. Alle Fotos sind nur mit natürlichem Licht vom Fenster auf der rechten Seite und einer einzigen normalen Glühbirne auf der linken Seite puristisch ausgeleuchtet.
Da die Modelle etwas spielzeughaftes haben kombinierte ich sie mit anderen, größeren oder kleineren Objekten, um damit ein surreales Gefühl und Fantasieerlebnis zu beflügeln.
In meinem mentalen Universum wirken diese kleinen Geräte "echter" als die Originalen in der tatsächlichen Welt.
Es sind meine Freunde, die ich mir jeden Morgen angesehen habe und jeden Abend ins Bett brachte, wie ein Kind es mit seinem Lieblingsspielzeug macht.

Normalerweise ist es sehr schwierig, ein aufregendes Bild von einem Kran zu machen, denn für uns es ist nur eine Arbeitsmaschine. Wie haben Sie diese Herausforderung in ihrer Arbeit überwunden?
In meiner Tress-Welt sehe keinen Unterschied zwischen mechanischen und biologischen Dingen.
Beide sind gefüllt mit vitaler Lebensenergie, die entsteht und vergehen kann. Ein Kran hat auch viel Natur in sich, wie der lange Hals einer Giraffe, einer starken Hand oder einer mächtigen Katzenpranke.
Er kann aber auch wirken wie der Bogen eines Geigenspielers, der Angelrute eines Fischers oder der Strahllanze eines Raumfahrers.
Es gibt hunderte Metaphern für einen Kran und es erscheint poetisch, wenn er in einer einzigartigen Aktion Lasten hebt und bewegt.

Für ihre Arbeit haben sie Kran Modelle, nicht zuletzt aus Platzgründen, gewählt. Sie sind Stellvertreter unser echten Krane. Haben Sie daran gedacht Originalgeräte zu verwenden bevor sie den Auftrag von Fassi annahmen?
Ja, 2008 wurde ich von Fassi angefragt, ob ich daran interessiert wäre Fotos für einen Kalender zu machen. Ich dachte, das wäre eine tolle Idee. Einige Monate später war ich dann in Pittsburg und sah auf einer Baustelle Fassi Krane bei der Arbeit.
Ich legte eine Rolle mit Tri-x Film 120 in meine Hasselblad Kamera und machte eine Serie in schwarz und weiß. Sie kann auch sehr gut an, zeigten sich aber als wenig geeignet gegenüber typischen Bildern, wie sie von einem anderen professionellen Fotografen für Geschäftsberichte abgeliefert werden.
So war es wohl nicht wirklich erforderlich, einen Arthur Tress für solche Bilder anzuheuern. Aber für unsere neue Serie mit Fassi Stillleben, ging ich ins Archiv, holte diese Fotos und arbeitete sie in zwei 6x6 Zoll Abbildungen, eines monochrom rot und eines in blau aus. In dieser Komposition zeigte ich, dass ich sehr wohl in der Lage bin einen echten Fassi Kran mit seinen Fähigkeiten bei der Arbeit abzubilden.
In allen Stillleben habe ich Momentaufnahmen aus der Realität eingefügt. Einige sind tatsächlich von meiner eigenen Familie, mein Bruder und seine Frau als sie heirateten und Kinder bekamen, die Katzen meiner ältere Schwester oder ich habe Dinge auf dem Flohmarkt für 50 Cent gekauft.
Ich denke die Fotos bringen die traditionelle Art von Stillleben zurück in die reale Welt. Sie führen die Welt der dokumentarischen Fotografie zusammen mit unseren Fantasien und Vorstellungen, ein bisschen wie in einem Schauspiel von Pirandello der in der Geschichte von Pinnochio eine hölzerne Puppe zum Leben erweckt.
Ich spiele gerne mit der Realität, um damit unsere Alltagseinstellungen zu hinterfragen.

Ist der Job für Fassi Ihre erste Erfahrung mit einer digitalen Kamera? Ist es der Beginn einer Veränderung oder war es eine Ausnahme?
Ja, ich gewann 2010 eine hochwertige Digital Kamera bei einem online Wettbewerb für mein ungewöhnliches Buch mit dem Titel "Barcelona zum Aufklappen“ (www.blurb.com) Ich legte die Kamera zunächst mal für 4 Jahre in einen Schrank. Das Fassi Project sollte in Farbe sein und eine Digital Kamera wäre eine ausgezeichnete Wahl.
Mit Farbaufnahmen von Filmen exakt zu arbeiten war schon immer schwer und aufwendig. Digital Kameras bieten da viel mehr Möglichkeiten und Einstellungen, wenn verschiedene Farbtemperaturen aus unterschiedlichen Lichtquellen, hier strahlendes Tageslicht mit einem bläulichen Schattenwurf und dort eine Glühlampe zusammen kommen. Faszinierend ist auch der workflow. Das Ergebnis kann sofort beurteilt und angepasst werden.
Ich habe die Bedienungsanleitung an einem Abend gelesen und der Umgang ist recht einfach. Wenn ich Probleme hatte, wie mit dem Hochladen auf den Computer, half mir Freund, der Fotoprofi ist. Er hat mich überzeugt, dass auch ein Old Fashion Man wie ich dazulernen kann. Als ich dann die ersten Bilder sah war ich erstaunt, wie gut sie waren. Ich klopfte mir innerlich dann selber auf die Schulter und war Stolz über meine Arbeit.
Alle Farbprojekte nach Fassi mache ich auf jeden Fall mit meiner Digital Kamera.
Im Moment bin ich mit meiner Hasselblad schwarz und weiß unterwegs, das bin ich so gewohnt.
Auch liebe ich die Atmosphäre mit einem echten Negativ in meiner Hand. Es ist 50 oder mehr Jahre her, aber ich habe noch die Negative von meiner High School-Zeit 1956!
Ich bat andere Fotografen um Tipps, wo Sie Ihre digitalen Bilder speichern und erhielt nur vage Antworten wie in der Cloud, auf DVDs, auf externe Festplatten etc. Da muss oft auf neuere Speichermedien aktualisiert werden, weil die Technik sich entwickelt. Das scheint nicht so viel Spaß machen wie ein Negativ in der Hand zu haben.

In der Vergangenheit haben wir in einer Werbekampagne eine Ameise gezeigt. Das Insekt hebt das 10fache seines Eigengewichtes, genauso wie unsere Krane. Warum dachten Sie an Bienen bei der Arbeit für diesen Job?
Ein paar gute Gründe sprechen für Bienen. Denn wie Ameisen tun sie etwas ganz Ungewöhnliches, das ist nicht leicht erkennbar. Sie können schnell durch die Luft fliegen oder auf Blumen landen, auch wenn ihr Körper viel zu groß, im Verhältnis zu ihrem kleinen Flügeln ist. So ist es auch bei einem Fassi Kran. Er ist sehr kompakt, aber dennoch hat er eine große Flexibilität in der Auswahl der möglichen Ziele auf der rechten oder linken Seite des Lkw. Zudem sind Bienen heute sehr gefährdet obwohl sie extrem wichtig für unser aller Überleben sind, nicht nur für die gesamte Landwirtschaft, sondern für das Überleben der Natur als Ganzes. Ihre feine Funktion der Bestäubung für die sie komplexe und aufwendige Tänze vor Artgenossen ausführen, um ihnen den Weg zu ergiebigen Orten zu zeigen. Ähnlich ist mit einem Fassi Kran, der zur Seite, nach oben und unten mit großer Reichweite, Präzision und mit Computerhilfe arbeiten kann.

Der Mond mit seinen Phasen es ist kein neues Element in Ihrer Arbeit. Wie ist der Zusammenhang in Kombination mit einem Kran zu sehen?
Der Mond steht für mich für den immer wiederkehrenden Zyklus von Veränderung und Wandel. Wenn ein Fassi Kran in seiner Funktion hoch gen Himmel schwenkt scheint er den Mond zu berühren. In einer Serie von Porträts einer Person in verschiedenen Phasen ihres Lebens, zeige ich die gleiche Person, einmal als optimistisches junges Mädchen, dann eine bewusste junge Frau, mit Erfahrungen des Lebens und es zeigt auch die Vergänglichkeit der Zeit.
Der Kalender zum 50-jährigen Firmenjubiläum ist was Besonderes. Die Fotos zeigen auch die viele Phasen und die Entwicklungen die Fassi als Unternehmen durchlaufen hat und an denen es reifte und wuchs, um bessere Kran zu bauen.

In dem Hollywood Film Transformers agieren Maschinen als intelligente anpassungsfähige Wesen. Beängstigt Sie eine solche Vision?
Ich finde nicht, dass Roboter bedrohlich sind. Ich denke, sie können sehr hilfreich sein in der Medizin, in der Produktion und in anderen Bereichen.
Wenn ich sehe wie Fassi neueste Technologien wie Techno Chips, Funkfernbedienung, Smart Phone Funktionen usw. einsetzt, dann sehe ich ein Unternehmen mit Zukunft, das mit innovativer Forschung und Entwicklung ihre Krane immer weiter entwickelt, damit sie besser funktionieren, stärker werden und mehr Sicherheit durch moderne digitale Anwendungen bieten.
Ein Fassi Kran ist ein evolutionäres Produkt, welches neben starker Mechanik durch Robotertechnik besser und präziser wird. Es ist ein faszinierendes Stück Technik und schön in Aktion anzusehen.



BIOGRAFIE 

Arthur Tress wurde 1940 geboren und sammelte als Teenager in der surrealen Umgebung von Coney Island erste Erfahrungen im Umgang mit einer Kamera. Bekannt ist Arthur Tress als Fotograf des Magischen Realismus. Er verbindet Elemente des tatsächlichen Lebens mit szenischer Fantasie des irrealen, das ist sein Markenzeichen und Stil.
Dieser Ansatz findet sich bereits in seinen frühen Büchern wie: Dream Collector, Shadow, Theater of the Mind und eine aktuelle Sammlung homoerotischer Fantasie in Male oft the Species, wieder.
Mitte der 80ziger schuf Tress eine Reihe Farb-Stillleben, Sie wurden später veröffentlicht als Tea Pot Opera und Fish Tank Sonata. Tress seine erste Einzelausstellung war 1967 am Smithzonian Institut zum Thema: Appalachia Menschen und Orte. Es folgten viele weiteres Ausstellungen wie: 50 Jahre Retrospektive in der Corcoron Gallery of Art. Er erhielt Stipendien von der New York State Council in the Arts und The National Endowment for the Arts.



SAMMLUNGEN

Museum of Modern Art, New York
Metropolitan Museum of Art,
New York
International Museum of Photography,
George Eastman House, Rochester, New York
Centre for Contemporary Photography,
Chicago, Illinois
Bibliotheque Nationale,
Paris, France
Centre Georges Pompidou,
Paris, France
Stedelijk Museum,
Amsterdam, Netherlands
Los Angeles County Museum of Art,
Los Angeles, California
Museum of Fine Art,
Houston, Texas
Whitney Museum of Art,
New York
Museum of Modern Art,
San Francisco, California
Die Gallerie Paci contemporary (Brescia)
zeigte in den vergangenen Jahren 2 Ausstellungen mit Arthur Tress: “Behind the image” in 2007 und “The Visionary” im September 2010, mit weltberühmten Fotoserien wie “Open Space in the Inner City”, “Dream Collector” and “Shadow”.

Fassi Gru S.p.A. - Ladekrane Hersteller seit 1965

Fassi Gru ist Marktführer unter allen italienischen Herstellern. Mit seinem Produktsortiment und der Anzahl verkaufter Krane, gehört das Unternehmen zu den weltweit führenden Herstellern von Hydraulikkranen.
Die Produktionskapazität liegt bei ca. 12.000 Kranen pro Jahr. Das gesamte Sortiment wird über ein schnelles und zielgerichtetes Verteilersystem in die gesamte Welt exportiert und geliefert. Von Kanada bis Frankreich, von England bis Australien: Die Professionalität von Fassi setzt sich zum Ziel, alle unterschiedlichen Anforderungen, oftmals an die geografischen und wirtschaftlichen Bedingungen eines einzelnen Landes gebunden, zu erfüllen.